Psycho-Logiken von Formationen

Aus dem Darmstädter Institut zur Erforschung von Angelegenheiten:
Joppo's boulistische Betrachtungen (Essay 6)

Verborgene Gründe, warum wer in welcher Formation über oder unter Form spielt

Lesen, aufklappen Prolog

Ein Phänomen, für das es auf den ersten Blick keine vernünftige Erklärung zu geben scheint, das dich dennoch entweder lähmt (du spielst mit ein oder zwei namhafteren Partnern und ständig weit unter Form) oder schier in Ekstase bringen kann (du spielst mit einem oder zwei weniger erfahrenen Partnern und dir will einfach alles gelingen), wollen wir FPL (FormationsPsychoLogik) taufen. Durch zwei kleine Geschichten soll die (Psycho)-Logik, die sich in solchen Konstellationen mit anscheinend eherner Gesetzmäßigkeit einzustellen scheint, illustriert werden.
Beide Geschichten sind zwar in der konkreten Ausschmückung frei erfunden, haben aber autobiographische Hintergründe, wobei der Autor weiß, dass er diese Erfahrungen mit denjenigen Spielern teilt, die die Erlebnisse aus ihrer Boule-Anfangszeit bis heute, wo sie erfahrene Akteure sind, nicht verdrängt haben.

Lesen, aufklappen Die erste Geschichte

Ich darf erstmals in meiner noch nicht allzu langen Boulekarriere mit einem gefürchteten Lokalmatadoren und einer national bekannten Größe Triplette spielen. Ich fühle mich enorm geehrt, weil ich schon gut genug für eindeutig bessere Partner zu sein scheine. Das Turnier, für das ich mich verabredet habe, rückt näher und ich gehe die Tage davor ausgiebig trainieren und spielen. Schließlich ist mein erster von der Bouleöffentlichkeit sicher aufmerksam notierter Erfolg zum Greifen nahe. Der Tag ist gekommen und ich gehe fast euphorisch in die erste Partie. Natürlich darf ich mich als Leger nützlich machen; meine beiden Partner schießen zweifelsfrei zuverlässiger. Und selbst, wenn ich ihnen beim Ballern schon das Wasser reichen könnte, (was mir daheim, sogar beim Zocken, schon das eine oder andere Mal zu zeigen gelungen ist), würde ich mit ihnen nur vorlegen dürfen, denn die Vorstellung, dass sie mit mir vorlegen wollten, wäre einfach absurd.
Den Gegner kennt keiner, also ist ein Sieg mit den Partnern Pflicht. Die Namenlosen dürfen vorlegen und spielen gut - unerwartet gut. Ich spiele auch nicht schlecht, gewinne aber den Punkt mit meiner ersten Kugel nicht. Mein Partner - nein, mein Chef A meint beiläufig: "spiel lieber von links". Ich denke bei mir: "der Weg ist aber rechts, wieso soll ich links spielen?" Wenn ich jetzt fragen würde, warum, oute ich mich vielleicht als Kappe, also halte ich lieber meine Klappe. Aber links spielen? Wenn ich wirklich links spiele, drücke ich wahrscheinlich die gegnerische Kugel noch besser. Na ja, wenn der das sagt, wird es schon richtig sein. Ich spiele links, viel zu weit links, die Kugel ist nix wert, gar nix. Chef B verzieht keine Miene, tauscht aber so einen furchtbar wissenden Blick mit Chef A aus. Sollte das vielleicht heißen, von dem kann man halt auf einem Turnier doch nicht mehr erwarten, auch wenn er daheim oft anständig spielt? Meine beiden Stars reißen die Aufnahme noch lässig rum, spielen von links, drücken die gegnerische Kugel tatsächlich besser, gewinnen trotzdem selber den Punkt, der Gegner kriegt sie nicht weg und am Ende machen wir sogar drei Punkte, obwohl ich überhaupt nicht mitgespielt habe. In der nächsten Aufnahme lasse ich die erste gnadenlos durchtoben und die zweite halte ich fest. Meine Stars legen überhaupt nicht, sondern fangen sofort an, zu ballern, was das Zeug hält, obwohl ich nix Brauchbares ins Geschäft gebracht hatte. Dank zweier enger Palets, die auch noch Richtung Sau rutschen bei vier von vier Krachern machen sie wieder zwei Punkte - ohne mich. Jetzt ist der Beweis praktisch schon angetreten: ich bin halt doch noch `ne Kappe. Aber macht nix. Gewinnen werden wir trotzdem, zumindest gegen Gegner solchen Kalibers. Bereits in der Cadrage müssen wir gegen einen Mitfavoriten antreten. Meine beiden Partner haben bisher kein Wort mit mir geschimpft. Vor diesem Spiel luden sie mich noch großzügig zum Getränk ein und ließen mich nur durch die Blume wissen, dass in der kommenden Partie schon Leistung gefragt sei, denn gegen die könne man mit vier Kugeln nicht gewinnen. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Ich spielte noch größeren Mist, wir kackten gnadenlos ab und das Schlimmste war, danach hatten sie auch noch Trost für mich übrig. Aber ich war untröstlich. "Was war denn da bloß los? Das kann doch nicht wahr sein. Und das auf einfachstem Boden und mit zwei solchen Granaten hintendran. Warum habe ich da nicht ganz locker meine Kugeln schmeißen können?" Solche und ähnliche Gedanken verfolgten mich unbarmherzig.

Lesen, aufklappen Rollenmetamorphose

Einige Jahre sind ins Land gegangen. Das Trauma dieses Tages hat sich nach ersten Turniererfolgen langsam verflüchtigt. Ich beschließe, dass es jetzt an der Zeit sei, mich für die nächste gut besetzte Veranstaltung so zu equipieren, dass die Hauptverantwortung in meinen Händen liegen würde. In meinem Verein haben ein paar Frischlinge wunderbare Fortschritte gemacht und wollen jetzt wissen, ob sie das unter Turnierbedingungen bestätigen können. Beim Zocken haben sie gegen mich schon ordentlich Lehrgeld abdrücken müssen, mit mir schon einiges gewonnen, so dass es definitiv ihr Wunsch ist, mich im Turnier quasi als Guru dabei zu haben. Als Erfahrenster in meiner Triplette sollte ich in die Mitte gehen, schließlich muß der Milieu der kompletteste Spieler sein und spielt tendenziell die letzten Kugeln in jeder Aufnahme, mit denen man ja notfalls das Schlimmste verhindern kann. Und einer der beiden Frischlinge macht schon erfrischend viel Musik beim Ballern, der andere kann wirklich gut beißen als Vorleger. Scheint alles bestens zu passen.

Lesen, aufklappen Die zweite Geschichte

Gegen unseren ersten Gegner könnte man durchaus verlieren, die haben in der Region schon so manchem großen Namen ein Bein gestellt. Der Boden ist einfach, aber glücklicherweise sehr hart. Eine Einladung zum Raffeln zwar, wenn man richtig, um nicht zu sagen grausam raffeln kann, das heißt in diesem Fall, nicht dreißig davor aufsetzen, sondern drei Meter davor. Ich schärfe meinen Partnern ein, nicht an die Sau legen zu wollen, sondern mindestens 50 cm verhungern zu wollen. Das Spiel geht los. Mein Vorleger will zweifellos verhungern, drei noch weiter durch. Ich sage zu meinem Partner: "Siehste, nur weil Du verhungern wolltest, hat deine erste gleich vier gezogen, der Boden ist halt verdammt schnell. Falls der Gegner jetzt den Punkt gewinnt, versuch bitte ernsthaft mit der nächsten, einen Meter zu verhungern". Der Gegner gewinnt mit der vierten knapp, mein Vorleger geht in den Kreis und wirft mir noch einen Blick zu als wollte er sagen: "Alles verstanden, Chef, ich gebe mein Bestes, um davor zu bleiben". Er legt einen Presskopp. Obwohl es mit der fünften gegen vier von uns auf der Hand nicht mehr das Spiel ist, das Biberon bei terrain libre anzugreifen, schießt der Gegner. Sein Schuss, kerzengrad zwar, springt drüber, weil einen halben Meter vorher aufgesetzt. Mit der letzten versucht er als Verteidigung, unsere Punktkugel zu knutschen, doch der Boulegott war gnädig und läßt sie knapp vorbeihuschen, wodurch sie nichts wert ist. Ich lege noch zwei Punkte dazu und schärfe unserem guten, aber wenig erfahrenen Schießer ein, ja nicht Richtung Sau zu legen, da diese bei nur leichtester Berührung unseres Biberon nach hinten zu den gegnerischen Schrottkugeln springen würde. Mit einem dankbaren Blick ob dieses klugen Rats geht er in den Kreis und befolgt die Anweisung brav, legt zwar beide Kugeln gnadenlos durch, macht aber nix kaputt. 3 : 0, immerhin. Mein Vorleger läßt es sich nicht nehmen, unserem Tireur noch einzuschenken, dass der andere Rat mit dem gnadenlos verhungern zu wollen auch für ihn gegolten hätte. Ich sage zum gegnerischen Tireur (ganz unaufgeregt, aber so, dass es seine und meine Partner mithören), wenn sie ehrlich auf Eisen schössen, würden wir auch nur ehrlich aufs Eisen gehen, wenn sie allerdings raffelten, würden wir mit selber, nein grausamerer Münze heimzahlen. Als Antwort erhalte ich von allen Seiten scheinbar ratlose Blicke, die sich aber bald in wissende und auf der einen Seite süffisante, auf der anderen Seite ängstliche, verwandeln sollten.

Lesen, aufklappen Kleine Raffinessen

In der nächste Aufnahme das gleiche Spiel. Ich lege die Sau auf nachgemessene sechs Meter zehn. Mein Vorleger verhungert wirklich schön, 80 davor. Sie sieht leicht erlegbar aus, auf dem schnellen Boden ein klassischer "Langmacher". Der Gegner greift glücklicherweise nicht an und gewinnt sie nach zwei durchgetobten immerhin schon mit der dritten Kugel. Mein Tireur trifft sofort, etwas zu hoch, so dass sie gerade nicht mehr den Punkt hat. Wir müssen noch eine von den letzten drei gegnerischen Kugeln treffen und gewinnen die Aufnahme wieder lässig, wieder mit drei Punkten. 6 : 0.
Ich lobe meinen Vorleger nochmal ausdrücklich für seine erste Kugel, die "Scheinheilige", die sich so wunderbar als "Langmacher" bewährt habe, diesmal so, dass es der Gegner nicht mithören konnte.
Drei Aufnahmen später steht es 10 : 1, weil der Gegner bei seinen Versuchen, aufs Eisen zu schießen, keinen Erfolg hatte und in der letzten Aufnahme mit drei grausamen aber erfolgreichenRafflern einen Punkt markieren konnte. Ich beglückwünschte ihn zu seinen drei Treffern, machte aber eine kleine Kunstpause nach dem "Bravo".
Danach legt er sofort zwingend, aber nicht press, auf fast zehn Meter. Ich nehme mir meinen Tireur zur Seite und bedeute ihm, dass jetzt die Stunde der grausamen Rache gekommen sei. Nicht er, sondern ich gehe ergo in den Kreis und lasse meine angekündigte Rache los. Die Kugel kommt nach ca. sechs Metern auf den Boden, schlittert die verbleibenden vier Meter kerzen-grad über denselben und tauscht sich fast still gegen den gegnerischen Punkt. Der Gegner raffelt dagegen, trifft mein Carreau nur leicht und kann es dann viermal nicht erlegen.
Wir machen den Sack gleich zu, wünschen dem Gegner ohne jeden Unterton noch viel Erfolg im CTurnier und können uns bequem dem zweiten Frühstück zuwenden. Meine Partner machen mir Komplimente wegen der erfolgreichen Strategie und Taktik sowie meiner wirkungsvollen Ankündigung und Umsetzung hinsichtlich der Anwendung gleicher Waffen.
Im nächsten Spiel ist die Aufgabe schwierig, aber lösbar, wenn wir weiter so zu Werke gehen. Unser Vorleger bleibt halbwegs solide, während unser Ballermann einbricht. Wir drehen und können die Partie dank zweier Verzweiflungsschüsse von mir gegen die 13, die auch meine ersten Carreaux waren, genau an dieser Stelle auch gewinnen, weil der Gegner vergaß, seinerseits gegen die 13 zu schießen.
In der Nachbereitung wird mir nochmal wegen der beiden spielentscheidenden Carreaux auf die Schulter geklopft, während ich meinerseits den Einbruch unseres Schießers nicht thematisiere. Es wird ihm ohne mein Zutun sowieso mehr wie genug im Kopfe herumgeistern und ein Aufhellen der vermutlichen Hintergründe (über die weiter unten noch gesprochen wird) würde ihn in diesem Moment noch unsicherer machen.

Lesen, aufklappen Je größer die Last . . .

Im dritten Spiel gegen einen nicht gerade faszinierenden aber sehr soliden Gegner bricht dann auch unser Vorleger ein und die Partie geht ebenso unspektakulär wie klar verloren. Mir selbst unterläuft zwar kaum ein Fehler, im Gegenteil: je größer die Last, die auf meinen zwei Kugeln lastete, desto leichter fiel es mir paradoxerweise, sie ganz präzise zu spielen. Musste eine Kugel entsorgt werden, kam sie mir plötzlich so groß vor, dass ich sie gar nicht verfehlen konnte. Und ich verfehlte auch keine. Aber wenn der Gegner in jeder Aufnahme durchschnittlich mindestens vier Kugeln bringt, mein Team aber höchstens drei, ist die Partie logischerweise nicht zu gewinnen.
Am Ende war ich wegen meiner wirklich guten Leistung nicht einmal betrübt, verloren zu haben, während meine beiden Youngsters verzweifelt waren, weil sie über weite Phasen der Partie praktisch nicht mitgespielt hatten und keine Erklärung fanden, warum. Das Grübeln darüber schien sie ähnlich zu martern, wie es mich etliche Jahre zuvor in ihrer Rolle gemartert hatte. Und ich konnte sie so gut verstehen und sie dennoch nicht trösten.

Lesen, aufklappen Die Analyse

Der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens, dass man bestimmten Konstellationen dazu verdammt zu sein scheint, weit unter seinen Möglichkeiten zu spielen, während man, wenn andere dieser Verdammnis unterliegen, fast schlafwandlerisch sicher und präzise spielen kann, ist nicht leicht zu finden, weil er nirgendwo sichtbar herumliegt. Er ist aber nicht nur visuell versteckt, sodass man ihn vielleicht ertasten könnte, nein, er ist für alle bekannten sechs Sinne nicht zu erfassen.
Aber es soll ja noch einen siebten Sinn geben und wie wir gleich erfahren werden, in unserem Fall noch einen achten. Der siebte Sinn ist versteckt - sagen wir mal salopp - in unserer Denke.

Lesen, aufklappen Kognitive Logik

Auf die erste Geschichte angewandt, ist es so, dass der fortgeschrittene Anfänger sich selbst den Arm verknotet, weil er denkt, dass die beiden Stars von ihm erwarten, dass er auf einfachem Geläuf eigentlich jede Kugel bringen müsse. Bringt er dann eine oder mehrere nicht, denkt er sofort, dass die anderem von ihm denken, er sei halt doch noch ein Anfänger oder unter Druck eben ein Versager. Mit jeder weiteren Kugel, die in dieses Schema passt, verstrickt er sich auf der Meta-Ebene in immer unentwirrbarere Denk-Knäuel, die ihn schließlich vollends lähmen. Natürlich hängt es auch von der charakterlichen Veranlagung ab, in welcher Konsequenz diese kognitive Logik zuschlägt.
Mißerfolgsängstliche Menschen haben sich länger damit herumzuschlagen, erfolgszuversichtliche kürzer. Aber ohne größere Turniererfahrung, ohne gelernt zu haben, souverän zu verlieren und bescheiden zu gewinnen, gibt es aus dieser Logik praktisch kein Entrinnen.

Lesen, aufklappen Affektive Logik

Und das Dumme ist, dass der achte Sinn - wir wollen ihn die emotionale Wahrnehmung oder "Affektlogik" taufen - der eben skizzierten Verstandeslogik noch ungebeten zu Hilfe eilt:
Trösten will man nur jemanden, der, zumindest in diesem Moment, ein Kleiner, ein Unglücklicher ist. Aber just an diesem Tag wollte ich doch erstmals zu den Großen, den Erfolgreichen gehören. Wenn man mich ausgerechnet jetzt trösten will, spricht man mir doppelt die Kompetenz ab, wenigstens schon ein bißchen zu den Großen zu gehören. Eine souverände Geste, geschweige denn eine souveräne Kugel - von einem der Trost braucht - undenkbar!
Als würde ich mich mit meinen so unbegreifbar schlecht gespielten Kugeln nicht schon selbst genug strafen, kommt dieser ungebetene Trost, der nur weh tut, den ich nur als Hohn und Spott verstehen kann, noch dazu. Und es kommt noch schlimmer: die beiden Stars glänzen von Kugel zu Kugel mehr. Sie tauschen die wissenden Blicke aus, sie trösten mich en passant und sie spielen nebenher noch so genial, dass sie mehrere Partien praktisch ohne mein Zutun nach Hause schaukeln. Und in ihrer Affektlogik werden sie - dazu braucht es keinerlei boshaften Anteil - mit jeder schlechten Kugel von mir und mit jeder genialen von ihnen selbst einmal mehr in ihrer Wunschrolle gebauchpinselt; sie werden einen Hauch stolzer, einen Hauch souveräner, einen Hauch mehr Chef qua Kompetenz und halten den Abstand zu allen Möchtegerngroßen und zukünftigen Rivalen in der eigenen Mannschaft wie bei den Gegnern aufrecht.
Wem würde das nicht guttun, ist es doch schließlich die allen Wettkämpfen innewohnende Logik, die besagt, dass es drum geht, größer, besser als die anderen sein zu wollen, und sei es (unbewußt), gegenüber dem Newcomer im eigenen Team.
In der zweiten Geschichte sind nur die Rollen vertauscht. Sie braucht nicht extra analysiert zu werden. Vielleicht spendet es wirklich Trost - Trost, der nicht weh, sondern guttut, wenn ich jetzt allen, die ihre Boulebiographie bewusst erleben und nichts verdrängen, sage, dass es aus der ehernen Logik der Gedanken und der Gefühle in beiden Geschichten kein Entrinnen gibt. Es gibt keine Medizin dagegen und auch keine andersartige Therapie. Nur die Zeit, viel Geduld und das bewusste Verarbeiten von Niederlagen können heilen und zu einem Rollenwechsel von Geschichte eins zu Geschichte zwei führen - sie müssen es aber nicht. Die wesentliche Veränderung muss zwischen Geschichte eins und Geschichte zwei passieren und wird mindestens ein paar Jahre brauchen.

Lesen, aufklappen bien équipé = mal équilibré?

Ob sie gelingt, wird u.a. davon abhängen, ob die Turnierverabredungen in dieser Zeit ein glückliches oder unglückliches Strickmuster haben. In der Regel darf als glückliche Verabredung gelten, wenn die Rollen in einer Mannschaft eindeutig geklärt sind, wenn die Vorerfahrungen und somit die Sicherheit und Ausstrahlung der Protagonisten im Team nicht zu ähnlich sind, aber auch nicht allzu weit voneinander entfernt liegen.
Es klingt paradox, trifft aber für eine große Zahl erfolgreicher Doublettes und Triplettes zu: wenn die spielerischen Kompetenzen und die Persönlichkeitsstrukturen zu ähnlich sind, wird es schwierig, wenn sie zu unähnlich sind, auch. In unseren beiden Geschichten gingen die Verabredungen in die Hose, weil der Erfahrungshintergrund zu weit auseinanderlag.
Längerfristig betrachtet ist die Sache natürlich nicht in die Hose gegangen, weil die jeweils in ihrem Team Leidenden genau diese Erfahrung gebraucht haben, um zu einer Spielerpersönlichkeit reifen zu können. Wie gut Teams mit dieser Reife, aber weit auseinanderliegenden Kompetenzen bei gegenseitiger Achtung derselben harmonieren, ja sogar Weltmeister werden können, zeigt das Beispiel Bideau, Loy und Choupay. Als entsprechendes Beispiel im deutschen Pétanque fällt mir die glückliche Ergänzung von Wolfgang Arnold und Nico Kirchhof ein.
Natürlich können auch Teams, in denen die Kompetenzen nah beieinanderliegen, erfolgreich sein. Welche Geschäftsgrundlage sie bräuchten, damit es klappt, müsste in einem anderen Essay beleuchtet werden.


© Joppo  (Darmstädter Institut zur Erforschung von Angelegenheiten)
 


 

 
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